Kino oder Glotze?

Digital fotografieren macht Spaß.

Losfotografieren, Bild checken, etwas anderes probieren… Und die Ergebnisse, die ich hier erziele, sind (zumindest technisch) oft besser als zu analogen Zeiten.

Analog fotografieren macht auch Spaß.

Dabei geht es mir aber nicht um den Vergleich der mit den Systemen erzielten Bildergebnisse, es geht mir um das Erlebnis des Fotografierens an sich. Mittlerweile bin ich wieder stolzer Besitzer von ein paar analogen Apparaten.
Das kleine Sucherfeld in meiner Entry-level DSLR, da hatte ich mich zwar irgendwie dran gewöhnt. Aber im Vergleich dazu ein Blick durch den Sucher einer zum Beispiel Olympus OM2 aus den späten siebzigern… Eine Offenbarung.
Visuell so unterschiedlich wie ein Kinobesuch gegenüber einem Abend vor der Glotze.
Kino ist hier übrigens die alte Film-SLR, die DSLR entspricht der Glotze.
Ja, ja, ich weiß. Die Olympus nutzt das volle 35mm-Format, die DSLR nur APS-C. Und das Pentaprisma, früher in jeder analogen SLR verbaut, scheint heute ein Feature ab der digitalen Mittelklasse zu sein.

Zorki 4, Olympus OM-2 und Canon EOS 350d

Bild, v.l.n.r.: Zorki 4, Olympus OM-2, Canon EOS 350D

Irgendwie will es nicht in meinen Kopf, dass man einen optischen Sucher, auch für APS-C-Formate, nicht besser und mit einem wesentlich günstigeren Vergrößerungsfaktor bauen kann. Auch die aktuelle Mittelklasse bei den digitalen Spiegelreflexen ist da (trotz Pentaprisma) nicht wirklich gut.
Wegen irgendetwas muss man wohl die teureren Kameras kaufen wollen (und sollen). Die Bildqualität ist heute meiner Meinung nach auch bei den Einsteiger-DSLRs bereits so gut, dass diese nicht immer zu einem Update motiviert.

Wer, wie ich, den direkten Suchervergleich zwischen Film-SLR und DSLR machen kann, weiß, wovon ich spreche. Und, zumindest für mich, ist das „Suchererlebnis“ fundamental wichtig für den Spaß am Fotografieren. Mit der alten Olympus zu hantieren und durch deren Sucher zu schauen macht richtig Spaß. An der DSLR macht eben das direkte Ergebnis richtig Spaß.

Also: Full Frame DSLR anschaffen?
Vielleicht.
Aber zwei große Scheine für ein Kameragehäuse?
Puh.
Damit ist meine Hemmschwelle doch schon erreicht. So ein Profi-Trumm, vollgepackt mit Features, die ich gar nicht will – Nee. Außerdem sind die Dinger riesig. Da muss der Leidensdruck bei mir doch noch etwas höher werden.
Doch es tut sich etwas in der digitalen Produktwelt. Noch nicht ganz in die Richtung, die ich gerne hätte, aber immerhin:
Kompakte Gehäuse mit (relativ) großem Sensor, Wechseloptik, ganz ohne optischen oder nur mit elektronischem Sucher: Olympus PENPanasonic GF1 und die G-Serie, Samsung NXSony NEX… Da ist offenbar ein Markt vorhanden.
Tolle Apparate, die technisch wirklich gute Bilder machen und wesentlich kleiner sein können als die Spiegelreflexen. Prima!

Aber ich vermisse ja gerade das „Suchererlebnis“, das kann diese Klasse mir auch nicht bieten. Auf der Suche nach visueller Erlebnisbefriedigung habe ich dann einmal eine analoge Meßsucherkamera ausprobiert, die Zorki auf dem Bild oben. Einige Berichte (12) aus dem Netz und auch dem Bekanntenkreis hatten mich bewogen, dieses Prinzip noch einmal auszuprobieren.
Fazit: Ist nicht mein Ding.
Natürlich ist eine 1970er Zorki keine Leica M9, aber die in den oben erwähnten Berichten so gepriesene Möglichkeit, mehr als das eigentliche Bild zu sehen und so ganz anders komponieren zu können, empfinde ich als eher störend.
Gott sei Dank, schließlich kostet eine Leica M9 auch ‚mal eben fünfeinhalb große Scheine. Ohne Objektiv.

Was mir aber tatsächlich an einer M9 gefällt: Die Reduktion auf das Wesentliche. Wenig unterstützende Automatik, der Fotograf ist für das Ergebnis selbst verantwortlich. Und hier wird konsequent nur auf manuelles Fokussieren gesetzt. In einem der verlinkten Berichte heißt es sehr schön „Augenfokus“ statt „Autofokus“. Ich verdamme Multiautomatiken und Autofokus keineswegs, Für manche Aufnahmesituationen sind diese Features wirklich nützlich. Aber für das angesprochene Erlebnis, den Akt des Fotografierens sind sie nicht nötig.

Ein abgewandeltes Meßsucherkonzept wird demnächst seinen Weg in die Verkaufsregale finden: Die Fuji FinePix X100. Da bin ich gespannt. Auch auf den Preis, der wohl um die tausend Euro liegen wird.

Das alles bringt aber nicht den Sucher-Kick, den mir die analoge Olympus gibt. Eine Mischung aus Optik und Haptik der siebziger-Jahre Topshots, gemischt mit aktueller Digitaltechnik, ähnlich wie das Fuji-Konzept es versucht, aber mit Spiegelkasten und TTL-Sucher.
Ja, DAS wäre es.
Ich halte ‚mal meine Wunsch-Eckdaten fest:

  • SLR-Kamerabody mit Full Frame Sensor
  • Nur Zeitautomatik und manuelle Belichtungssteuerung mit Nachführmessung
  • 100%-Sucher mit Schnittbild und Mikroprismenring, Sucherscheiben austauschbar, Pentaprisma
  • Kein Autofokus, nur MF
  • Ein paar gute Wechseloptiken, idealerweise sind Fremdoptiken per Adapter montierbar
  • Aufzeichnung nur in einem RAW-Format
  • Kleine Bauform

Wenn ich mir das gerade anschaue: eigentlich beschreibe ich hier eine Leica M9 mit Spiegelkasten.
Oder, wenn man es aus anderer Perspektive betrachtet: Einen Downgrade der aktuellen DSLRs.

Vor meinem geistigen Auge sieht das Ding aus wie meine Olympus OM-2, nur eben mit Digitalrückteil.

Das wäre für mich ganz großes Kino.

2 Gedanken zu “Kino oder Glotze?

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